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sieh mal, anaïs, das blau ist vom himmel gefallen, direkt in meine hände. ein nachthimmelblau, tief und dunkel.

ein nachthimmelblauer spiegel in meinen händen, die es halten wie wasser. und wie flüssigkeit tropft es durch meine finger, das nachthimmelblau, und wandelt sich im fallen in worte.
in all die worte, die wichtig sind.
und verschwindet in den ritzen der steinplatten zu meinen füßen.

anaïs, lass sie nicht fliehen, die worte, verstehst du nicht, ich brauche sie, wie du die träume.

es bin nicht ich, june, die träumt. nicht ich, die süchtig ist, nach dieser welt und dorthin flieht sooft ich es ihr erlaube. es ist anaïs.

anaïs, die immer vernünftige, rationale, beobachtende. sie ist es, die träume braucht. 12, 24 auch über 30 stunden schlafen kann - nur der träume wegen.
der träume, in denen alles möglich ist und erlaubt. in denen sie küssen darf und lieben mit derselben selbstverständlichkeit, mit der sie tötet. diese welt, in der nichts logisch ist und alles wahr, in der es für jedes rätsel eine lösung gibt.

anaïs lebt im traum was sie june im leben verweigert.

hat mir das leben wieder mal in voller pracht seinen arsch präsentiert.

meine bitterkeit - ich wünschte, sie wäre manifester, weniger brüchig, beständiger und lebensfähiger.
und meinen zwanghaften optimismus in manchen belangen, den wünsche ich zum teufel heute nacht.

andernteils: das leben spüren, auch wenn es weh tut, ist immer noch das leben spüren - so wie die liebe.

unglück kannst du nicht spüren, wenn du das glück nicht kennst.

schlafen gehen, mit nichts als der dankbarkeit dafür, ihm begegnet zu sein, dem glück und zu wissen, dass es immer noch da ist, ganz tief in dir drinnen, seine spuren verewigt hat, wie abdrücke auf dem sunset-boulevard.

du siehst, ich kann das nicht - das mit der bitterkeit (nur das mit dem kitsch, da bin ich gut drin, wirklich gut). und doch, vielleicht wäre sie wichtig für mich. schutzschilder sind so schwer zu konstruieren ohne sie ... vor allem in zeiten wie diesen,

und ich wünschte sosehr, ich könnte dir morgen in die augen sehen und dich hassen, als wäre nicht der einzige mensch, den wirklich zu hassen ich gelernt hätte, ich selbst.

doch sogar mich mag ich. nicht nur in schwachen stunden.

du siehst: ich bin ein hoffnungsloser fall.

und fast wäre sie mir entgangen, henrys mail in diesem ordner.

"nicht unpassend" grinst mein engel, der auf meinem rollcontainer platz nimmt, lässig die beine übereinander schlägt und meinem giftigen blick keine achtung schenkt.

es dauert eine weile, bis ich mich durchringen kann zu einem zögernden nicken: "spam".

höfliche zeilen und höfliche antworten. seelenlos.
spam.

"dreh dich um", sagt sie, und der tonfall betont die doppeldeutigkeit dieses einfachen drei-wort-satzes ("kann es sein, dass alle wichtigen sätze drei-wort-sätze sind?" frage ich mich stumm).

und ich begegne ihm, dem drei-wort-satz, dem wichtigsten drei-wort-satz, der je gesprochen wurde, in einem einzigen blick.

noch nie war die antwort leichter: "ich dich auch!"

"Ja", nickt sie. "Seine Welt ist nicht mehr meine und der Drang zu verstehen schwindet zusehends, Tag für Tag.

Ich sehe die Bilder, Anais, die Bilder von damals. Und sehe sie endlich als das, was sie sind: Geisterbilder von einem Mann, der sich selbst zum Verschwinden bringt.

Farce einer Beziehung ohne Gefühle, verliebt in eine Illusion, eine Karikatur zeichnend von sich selbst.
Schubladen und Schein.

Das ist nicht mehr der Henry, den ich kannte. Ob er sich selbst nicht auch manchmal vermisst?"

"bist du sicher?", fragt sie ungläubig und fixiert den roten nagel des zeigefingers, der die linke mousetaste über dem "send"-button drückt.

postausgang - nachricht wird gesendet - nachricht gesendet.

"Auseinandergel(i)ebt. Es war intensiv, es war ein Wahnsinn, es war das beste und tollste was Euch je in Eurem Leben passiert ist und es war so komprimiert, dass einige Entwicklungsschritte übersprungen worden sind und ihr euch grad selbst überholt."

hat jemand einmal gesagt. das ist schon lange her.

und jetzt ist es zeit. kein fluchtweg, kein ausweg, kein notnagel, kein fangnetz, kein doppelter boden.

nicht nur katzen haben sieben leben.

"ich kann ihn nicht haben, den kontakt mit dir,
ich brauche abstand",
sagt der, der denkt alles hinter sich gelassen zu haben.
sagt der, der darauf beharrt nicht mehr zu lieben.
sagt der, dessen hand beinahe reflexartig nach der meinen greift, der meinem blick kaum standhält.
der, den mein anblick immer noch verstört und der so gerne mit mir spricht.
sagt der, der schrieb: "(...) aber ich bin wahrscheinlich ohnehin derjenige von uns zweien, der mit grösserem Abstand an die Sache herangehen kann."

teil meines lebens bist du, weißt du, auch ohne bedingung, ohne forderung, auch ohne dich besitzen zu müssen.
auch ohne "beziehung", auch mit ihr.

"das ist nicht mein muster", sagst du und versteckst dich hinter deiner selbsterfahrung und einer frau. versteckst dich mit deiner angst zu sehen, was du nicht sehen willst.

und wenn es so wäre, was schreckt dich so?
und wenn es nicht so ist, was hast du zu verlieren?
ist keine neugier in dir?

als könnten wir nicht nur gewinnen - eine erfahrung oder eine chance. etwas, das uns berührt. leben.

"denk noch einmal darüber nach", sage ich und weiß, was ich dir damit gebe, ist ein weiterer stein für deine mauer.

vicious game.

wo bist du?
komm her, nimm mich in den arm, dring in mich ein. halt mich fest und füll mich aus, lass mich spüren, dass ich am leben bin, mitten in diesen fieberträumen.

schlafen, ich will schlafen, nur schlafen, auch nach 32 stunden noch - nur schlafen.

so far below zero.