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"Wenn einem das Leben so direkte Geschenke gibt wie am Montag, dann macht das glücklich. Ich danke dir noch einmal dafür."
schreibt er.
Und genau das war es, ein wunderbares Geschenk.

Und glücklich lächelnd verstaue ich meine Sandalen und Sommerklamotten. Ohne Wehmut stelle ich fest, dass die Sonne auf der Terrasse nicht mehr genug Kraft hat, um zu wärmen.

Keine Angst vor dem kommenden Winter.
Nicht dieses Jahr.

"Und was ist mit *ihm*?"
fragt die Freundin - und meint den, der in den letzten acht Jahren so viele Stunden der gemeinsamen Zeit beansprucht hat.

Ja, was ist mit ihm?

Nein, natürlich ist er nicht ausgelöscht. Er steht, so fühlt es sich an, meist ca. einen halben Meter links hinter mir. Aber immer gibt es noch Momente, in denen er näher kommt, meine linke Schulter beinahe berührt, so nah, dass sein Atem meinen Hals streift, mir das Gefühl vermittelt, würde ich mich nur zurück lehnen, würde er mich mit seinen Armen umfassen und halten und die Vorstellung ist immer noch schön.

Da ist nichts ausgelöscht oder weg gemacht. So funktioniere ich nicht. Aber er steht hinter mir, nicht mehr vor mir. Vor mir liegt etwas Neues, mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte. Vor mir liegt etwas Neues, das vielleicht ein Beginn einer gemeinsamen Reise ist, vielleicht auch nur nötig war, mich aus einem selbstgewählten Käfig zu befreien und mich ins Irgendwo entlässt.

Wenn er mir von da links hinten irgendwann an die Schulter tippt und sagt: "Ich brauche dich, kannst du da sein für mich?" werde ich es sein.
Aber ich nehme an ihr kennt diese Vertrauensübung, in der einer sich nach hinten fallen lässt, vertrauend darauf, aufgefangen zu werden vom anderen?
Ich werde mich nicht mehr fallen lassen. - Zu oft bin ich gestürzt. Und zu oft habe ich mich dabei verletzt.

Dieser Bann ist gebrochen.

Auch das
liegt hinter mir.

Und es wurde Zeit dafür, höchste Zeit.

so fühle ich mich derzeit. Versuche alles, ihm aus dem Weg zu gehen. Nicht, weil ich ihn nicht sehen will, sondern weil ich Angst habe, er sieht, was ich ihm nicht zeigen will, wenn er mir in die Augen sieht. Weil nichts sich verändert hat, weil nichts sich verändert haben *darf*, weil wir das gesagt haben, weil *ich* das gesagt habe.
Kein Wort seit diesem Abend, kein gesprochenes und kein geschriebenes, aber eine körperliche Reaktion sobald ich seine Stimme höre und ein kleiner, süßer Adrenalinstoß, wenn er an der Türe zu meinem Zimmer vorbei geht und mich anlächelt.

"Ich bin schüchtern", hat er mir gestanden, an diesem Abend, und ich habe ihn geneckt damit, aber ich glaube ihm das sofort, ich kenne das nur zu gut, diese verwirrte Unsicherheit einem Menschen gegenüber, für den man sich angreifbar macht, der etwas in einem selbst berührt ohne es zu wissen.

Und es war diese unsere Schüchternheit, gegen die wir angeredet haben an diesem Abend, bis wir sie ansprachen, bis *er* sie ansprach und die flüchtigen, "unabsichtlichen" Berührungen (wir saßen nebeneinander auf meiner Couch) immer mehr von ihrer Flüchtigkeit verloren, bis er mich an sich zog.

Mein Kopf spielte sein übliches Spiel, die ganze Zeit über, ratterte im Hinterkopf das immerselbe altbekannte Programm: "Was ist aber, wenn es nicht gut ist? Was ist, wenn er mehr will? Was ist, wenn ich mich jetzt darauf einlasse, ihn dann aber abweisen muss, weil es doch (wieder) nicht das ist, was ich will? Was ist, wenn ich ihn dann kränke? Was ist, wenn er meine Abweisung nicht erträgt? Was ist ..."

Mein Kopf spielte sein übliches Spiel, bis er mich küsste. Bis er mich ganz genau so küsste, wie ich geküsst werden will. Nicht zu zaghaft, nicht zu fordernd, nicht zu nass, nicht zu hart, nicht zu trocken, nicht zu schmallippig. Ein warmer, intensiver, sanfter Kuss, der genau im richtigen Moment endete.
Da hatte er dann Pause, mein Kopf. Ab da war alles nur noch berühren, riechen, schmecken, diese verdammten Kleider los werden und einander Haut an Haut spüren.
Da war seine so unverhohlen gezeigte Freude an meinem Körper und meine Gier danach, den seinen zu spüren. Er kam nach wenigen Minuten. "Wie ein Teenager", meinte er und wir lachten, lachten in einer Umarmung sein kleines peinliches Gefühl einfach weg, das so unwichtig war, weil es so schön war, ihn zu spüren, weil es mir so viel wichtiger war endlich einen Mann wieder richtig genießen zu können, mich ihm öffnen zu können, als x Orgasmen.

obwohl der Alltag alles dazu tut, mich zurück auf den Boden zu holen.
Immer wieder schleichen sich kleine Erinnerungsfetzen in den Tag und lassen mich lächeln oder leicht erschaudern, meine Haut kribbeln, mein Herz für wenige Sekunden ein bisschen schneller schlagen.

Kein Wort seitdem, wir umkreisen einander wie zuvor, haben wir uns doch auch versprochen, dass sich nichts ändern würde. Als würde sich jemals nichts ändern zwischen zwei Menschen, die großartigen Sex hatten.
Nicht einmal über den Weg gelaufen sind wir und ganz ¨zufällig¨allein. In Gruppen meiden wir direkte Blicke, aber da ist nichts Unangenehmes dabei, nichts negativ (Ver)Störendes, es ist eine wunderbar prickelnde Spannung.

Als er mich fragte ob ich Zeit hätte, an diesem Montag, hatte ich Herzklopfen. Als er dann noch kurz nach 18.30 anrief, ob ich nicht vorher schon Zeit hätte (ca. 21.30 war ausgemacht) und ich da stand mit ungewaschenen Haaren und nicht enthaart und nur 30 Minuten hatte, um die nötigsten Dinge zu erledigen, erreichte meine Nervosität lange nicht mehr gekannte Höhen.

Aber dann war er da (mit einer Flasche Champagner im Gepäck), saßen wir auf meiner Couch und redeten und redeten und redeten. Wir aßen Melone mit Prosciutto - ich hatte eine wirklich ausgezeichnete erwischt, tranken zwei Flaschen und fast schon war ich froh, dass es doch wieder so sein könnte wie vor diesem Abend mit der Umarmung in diesem Hotelzimmer, bis er sie ansprach, die Situation, bis wir beide sprachen über die entstandene Unsicherheit.

... Und all die vielen, vielen Zeilen, die ich hier noch gtippt habe, hat mein Tablet gefressen.
Schade. Sie waren schön.

Vielleicht erzähle ich es ein andermal, wenn ich denke, dass ich es dann immer noch so kann, wenn es noch einmal so unbedingt heraus muss.

Gute Nacht allerseits und süße Träume.



and this was how it was.

or let's say "I'm about to lose control and I *know* I like it."

June auf Wolke7 ... und der Kopf hat Pause ... bis morgen früh.

sie aussperren, die Erinnerungen,
sie aussperren, die Befürchtungen,
sie aussperren, die Frage danach, wo das hingehen soll.

Nur nicht verkopfen ...
dann fühlt es sich an wie ein bisschen Frühling mitten im Altweibersommer, der hinausreichen könnte über den angekündigten Kälteeinbruch.

Kaum den letzten Beitrag geschrieben, auch schon das Handy in der Hand.

SMS:
"Ich würd total gern wieder mal mit dir quatschen. Wie sieht es bei dir aus Donnnerstag oder Freitag? Würde dich gern einladen, wenn du Zeit und Lust hast."

SMS-Antwort:
"June, gerne, die Woche weiß ich nicht, ob ich es schaff. Ich spür, dass mich die Sache mit meinem Papa nervlich ziemlich erdrückt. ... Hab ein bisschen Geduld mit mir. Aber Grundsätzlich sehr sehr gern. Alles Liebe."

Das passt. Das ist perfekt! Den Draht halten, die Entscheidung aufschieben. Und vor diesem Hintergrund einander morgen wieder sehen, einander wieder aus dem Weg gehen, Blicke vermeiden.
Alle Türen offen, keine durchschreiten und damit auch keine schließen müssen.

Feig? Durchaus.
Aber wie sehr ich das genieße. Und es scheint , als wären wir das beide, unentschlossen Genießende, Teenager spielende, die jede Pause vom "Erwachsensein" aufsaugen wie die letzten Sonnenstrahlen dieses sommerlichen Herbstes. (Huch, war das jetzt fast preisverdächtig kitschig. *g*)

Es war ganz gut, eine Weile weg zu sein und es wäre nicht wirklich nötig gewesen, heute Haare zu waschen und die Nägel neu zu lackieren und mir jetzt schon zu überlegen, was ich morgen anziehen werde (um dann ohnehin doch wieder nur in Jeans zu schlüpfen, weil ich morgens eher ein Jogginganzug- als ein Armani- oder Moschino-Typ bin), aber mit über 40 nochmal den Teenager zu geben hat was.

Seit dieser Nacht in diesem Hotelzimmer sind wir uns aus dem Weg gegangen, als hätten wir etwas Verbotenes getan, als wäre etwas Peinliches vorgefallen.

Ich weiß durchaus wie kindisch das ist. Ich müsste ihn nur fragen, es wäre nicht das erste Mal, dass wir einen Abend bei mir verbringen, aber es wäre - und das wissen wir beide - jetzt anders. Es wäre nicht mehr das lockere Geplauder auf der Terrasse an einem warmen Sommerabend bei Antipasti, Champagner und Rotwein.
Der nächste Abend bei mir wäre eine Entscheidung, zu der er wohl ebenso wenig bereit ist wie ich.

Ich denke, es ist der Tanz auf dem Drahtseil, der so anzieht. Noch balancieren wir gut, aber wir werden kippen - früher oder später.

Die Angst davor ist es, die ich so genieße. Ich spiele zu gern mit dem Feuer - und etwas in mir ist immer besessen davon, sich zu verbrennen. Dieses "Etwas" ist Nicht-Ich und doch so sehr das, was ich bin.
Zuerst aber muss heilen was noch bloß liegt, und sich Nacht für Nacht in meine Träume schleicht.