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aus dem Geplänkerl über Wut, Hass und Aggression von heute Nacht ergab sich eine neue Perspektive.
B. ist schuld. B. nämlich fragte, ob man in der Abhandlung nicht auch noch den Zorn unterbringen müsste.

Ja, das Ansinnen hat seine Berechtigung. Der Versuch darauf einzugehen (okay, Ernsthaftigkeit ist momentan nicht meine absoluteste Stärke) ergab sich jedoch ein Exkurs, der vielleicht sogar als "Stöckchen" herhalten könnte.

Und das geschah so:

ZORN?
Jetzt fangst dann langsam an mich zu überfordern. Zorn. Hmmm. Eine dieser komischen Todsünden ist das, gell?
Also wie hab ich's denn so mit den Todsünden?

Stolz, Eitelkeit, Hoffart? ... ja nö also frei von Eitelkeit bin ich ganz sicher nicht, da bekomm ich ein Plus.

Neid, Missgunst? ... Neid ist okay. Ich beneide dich grad um dein (nebenbei so wunderschön beschriebenes) Verliebtsein in Y.

Trägheit, Überdruss? ... Also träge bin ich zweifellos und *manchmal* der Dinge auch überdrüssig, aber da bekomm ich dann einen satten Wutanfall und der Überdruss ist draußen (wirkt in 99 von 100 Fällen . so über den Daumen gepeilt).

Geiz, Habgier, Habsucht? ... Nein, ich fürchte in der Kategorie muss ich passen. Sind völlig reizlose Todsünden, überhaupt nicht sexy.

Völlerei, Unmäßigkeit, Freßsucht, Gefräßigkeit? ... Hier beantrage ich *mindestens* 80 von 100 möglichen Punkten.

Wollust, Unkeuschheit? ... Aber gern doch! :) Auch in dieser Kategorie denke ich sollte ich nicht leer ausgehen. Wenn ich hier schwächle, liegt das nicht an mir, sondern an den Umständen und fehlenden Gelegenheiten.

Und dann wäre da noch der Zorn.
Netterweise wird die Wut meist ja mit zum Zorn gerechnet, sonst würde ich nochmal leer ausgehen, weil, zumindest denke ich das, liebe B., ich glaub der Zorn und ich, das passt auch nicht so recht. Wie genau fühlt sich Zorn an?
Hast du Bekanntschaft mit ihm gemacht? Bist du da gut drin?

Ich kann grantig sein, genervt sein, aggressiv sein, wütend sein. Aber zornig? Das ist doch so ein Gottes-Ding. Gott "zürnt". Der hat nicht einfach einen Wutausbruch, der "zürnt". Und der Zorn trifft immer eine bestimmte Person oder halt auch mal ein Volk. Klar, so ein Gott kann seine Energien auch nicht so wahllos verschleudern.

Wobei so eine "zürnende June" schon was hätte. Sollte man sich überlegen, ob es nicht lohnenswert wäre, hier das Spektrum zu erweitern.

Und die Frage: "Sag, June, was bedeutet das, wenn man ..." die ignoriere ich geflissentlich, weil ich die, was es mit einem macht, wenn die Stimme dann dran ist, wenn die Verbindung wieder da ist, wenn man spürt, dem Anderen geht es gut, so viel prickelnder finde.

Und der Neid seufzt mir ins Ohr und das mit der Harfe und der Wolke, irgendwann mal, das wird wohl nichts für mich (allerdings einen Himmel, in dem ICH Harfe spielend und womöglich auch noch singend wüte, könnte ich guten Gewissens auch niemandem als Destination empfehlen).

Fazit: Mindestens 5 von 7 möglichen Punkten in der Kategorie Todsünden für jederfrau (und -mann) gehen an mich. Wer bietet mehr?

Untertitel: Mail an eine Freundin
Untertitel 2: Der Titel hätte "Wut, Aggression und Hass" heißen müssen, ich finde aber, das klingt nicht so schön, warum, das weiß ich nicht.

Liebe B.,

viel zu aufgekratzt um schlafen zu gehen, völlig desinteressiert am Fernseher und schwer davon abzuhalten irgendeinen Schmarrn xx, xy oder (noch schlimmer) beiden zu schicken bin ich heil froh um die Aufgabe, die du mir (ich mir) - wurscht - gestellt hast/habe.

Also die Sache mit der Wut.

Wikipedia hilft mir da kaum weiter und wenn ich mich recht erinnere (war ja irgendwann in meinem Studium auch Thema), dann ist das, was ich hier behaupte nicht die Lehrmeinung.
Was
a) daran liegen könnte, dass die Lehrmeinung eher eine Leermeinung ist oder
b) dass meine Definitionen einfach meine Definitionen sind und mit anderen nicht unbedingt übereinstimmen, vielleicht aber Mr. Z.s Empfinden trotzdem auch treffen und dann wäre das auch wurscht.

Also hier die Untergliederung nach June, die noch nicht allgemein anerkannt ist, aber das wird schon noch kommen.

Ein Wutausbruch ist wie wenn du Blähungen hast und dann was genau an die richtige Stelle drückt. So ein Wutausbruch ist ein gewaltiger wohltuender Furz. Laut, manchmal übelriechend, aber in absolut absehbarer Zeit vorbei.
Wikipedia meint: "Wutanfälle richten sich gegen Personen, Tiere, Institutionen oder auch Sachen und haben oft einen konkreten Auslöser, der aber nicht zwangsläufig identisch mit dem Ziel der damit verbundenen Attacke sein muss."

Dem widerspreche ich in fast allen Punkten. Zunächst als dass Wutanfälle sich wenn dann nur gegen *nicht anwesende* Personen oder Tiere richten. Sachen dürfen anwesend sein und könnten Schaden nehmen, über die ideale Verortung von Institutionen muss ich noch nachdenken, aber nachdem die auch selten in den eigenen vier Wänden oder dem Auto (beliebteste Orte für Wutausbrüche) zu finden sind, nehmen wir sie rein. Stellvertretend dafür sind auch Telefonwarteschleifen in meinem Universum sehr beliebt).

Also Wut kommt dann hoch, wenn ich mich in irgendeiner Art böswillig schikaniert fühle, OHNE adäquat reagieren zu können, weshalb eben Personen oder Tiere im nahen Umfeld als Ziele ausgeschlossen sind, dagegen ein nicht-funktionierendes Handy, eine depperte Kundenmail, eine blöde Meldung vom Chef per Mail oder in einer Situation, in der es nicht möglich ist, adäquat Stellung dazu zu nehmen, ein sich ausschweigender Lover (*ha* - meine Lieblingswutquelle!), eine depperte Politikeransprache etc. - alles ideal geeignet ist für den allerfeinsten Wutausbruch.

Wut richtet sich also nicht primär *gegen* xyz, wie Wikipedia meint, sondern Wut ist eine Energie, die sich Platz machen muss und es gezielt - aufgrund mangelnder augenblicklich real vorhandener Optionen - in dem Moment gar nicht kann.
Es gibt kein "Ziel" (nicht für mich), hab ich eines, bin ich nicht mehr wütend (ich meine wütend Messer wetzen ist auch echt nicht gesund).
Irgendwie ist so ein Wutausbruch so, wie wenn du ein überwältigendes Erlebnis hast und das bekannte "Hurraaa" (moderner "YEEEAAAHHHHHH") schreist, von dem du weißt, es schnürt dir den Hals zu, wenn du's nicht raus lässt.
Ja, okay, klingt nicht so euphorisch mitreißend (wie auch der Furz), aber ist von Gefühl her echt ähnlich.
Kelomat - Überdruck - heftiges Pfeifen - vorbei.
Und JETZT schauen wir, wie wir mit dem Auslöser (so er überhaupt noch relevant ist) am besten umgehen.

Jetzt ist der Kelomat aber ein gutes Beispiel, weil: An sich bringt man das Ding vom Herd und dann ist Ruhe. Da gibt es dann aber Leute unter uns, die lassen sich ums Verrecken nicht vom Herd schieben. Die verstehen auch nicht, dass das Pfeifen anderen in den Ohren weh tut (jössas, das bisserl Pfeifen, also echt!) und die bleiben gern drauf bis das letzte bisserl Dampf entwichen ist.
Tröstend ist da vielleicht nur die Gewissheit: Irgendwann ist er raus. (Vertrau mir, das ist er.)
Fühlt sich gut an dann. Man ist ein bisserl erschöpft und sehr erleichtert und freut sich sehr über ein freundliches Gesicht, das sagt: "And now for something completely different". Das ist der Idealfall. Das lieben wir gerne Wütenden (okay, meist ein bisserl viel verlangt, aber ich red hier ja vom Idealzustand).
Warum genau wir nämlich derart wütend waren, können wir meist im Nachhinein selbst nicht mehr schlüssig begründen, weil: Ja, war ärgerlich, aber verdammt nochhmal, da ist täglich so viel ärgerlicheres ob dessen wir nicht derart in die Luft ..... moooooooooooooooooment! Würde sich eignen! ... Aber nicht mehr heute, heut issie draußen die Luft.

Das zur Wut.

Nun der Unterschied zur Aggression

(wieder frei nach Frau June und wissenschaftlich noch nicht hinlänglich untermauert, aber: s.o.).

Aggression baut sich längerfristig auf. Etwas, das mich aggressiv macht, macht mich noch lange nicht wütend, das setzt sich irgendwo fest und beginnt zu nagen. Wut ist wie ein Wespenstich, Aggression ist wie ein langsamer, stetiger Juckreiz. Eine depperte Mail macht mich nicht aggressiv, die macht mich wütend. Ein dauernervender Kollege (oder Chef), ist da schon geeigneter die Aggression wachsen zu lassen.
Ein Wutausbruch aufgrund einer depperten Mail richtet sich nicht mal primär gegen den Absender, sondern gegen die allgegenwärtige unerträgliche Dummheit, die vierte depperte Mail desselben Absenders könnte allerdings bereits eine gute Aggressionsbasis abgeben.
Aggression richtet sich gegen einen konkreten Menschen, ein konkretes Tier, einen ganz konkreten Helpline-Mitarbeiter. Aggression (gemäß meiner Definition) ist zielgerichtet. Und kann ich dieser Luft machen (was von Vorteil ist, weil sonst (s. Hass weiter unten)), dann kann ich dabei durchaus sehr laut werden und wütend klingen, es ist aber vom Gefühl her ganz weit weg von einem Wutausbruch, ich kann nämlich genau so sehr leise werden, weil da die größtmögliche Chance das Gefühl, das mich treibt, befriedigen zu können die ist, den Gegner in seine Schranken zu weisen, zu vertreiben, oder gar zu verletzen.

Hass

ich hab dir schon mal geschrieben, dass ich nicht hassen kann. Ich denke - so unter uns gesagt - dass ich auch aus Faulheit kaum echte Aggressionen zustande kommen lasse.

Wut ist fein. Die ist da, die lässt du raus und gut is. Um eine satte Aggression aufzubauen braucht es schon ein bisschen mehr Ausdauer und Grips (um die zu nähren musst du ja abspeichern, *was* sie nährt). Und beim Hass ist das nochmal viel viel viel arbeitsintensiver.

Ich meine so ein ordentlicher Hass will gepflegt sein. Der verlangt die strategische Vernichtung seiner Zielperson, der gibt sich nicht einfach so mit einem Abschreckungsmanöver zufrieden.

Weißt du, ich denke Hass ist was für Streber.
Wenn mir heute wer auf die Zehen tritt will ich heute zurück treten und wenn ich das nicht kann, ärgere ich mich morgen vielleicht noch und übermorgen ist es mir schon zu mühsam mir drüber noch Gedanken zu machen.
Ich bin für Hass - sehen wir der Realität in die Augen - schlicht zu FAUL.

Während die Wut ganz heiß ist und die Aggression zumindest noch gut warm, ist der Hass Basis dessen, was so schön bei "Kill Bill 2" in der Anfangssequenz steht:
"Revenge is a dish best served cold."

Hat mir sehr gefallen, der Satz. Immer wieder, wenn ich in so Situationen war, die sich zwischen Wut und Aggression befanden hab ich mir das vorgenommen. Die perfekte grausame Rache - irgendwann.
Auch das "Ich hasse dich!" hört sich in einem Wutanfall verdammt gut an, ist aber unzuverlässiger als das "Ich liebe Dich", wenn dir zufällig bei einem ONS ein Orgasmus passiert und dir grad nix einfällt, das in der Situation passender zu sein scheint.

Es heißt auch immer wieder, dass Hass und Liebe die perfekten Gegenpole sind. "Ich kann dich nur lieben oder hassen!" - *hach* klingt das dramatisch. Trotzdem vermag ich nicht zu glauben, dass es mein Mangel an Liebesfähigkeit ist, dass ich das mit dem Hass nicht hinbekomme. Geduld ist echt nicht meins und manchmal braucht Liebe schon so viel davon, dass für den Hass dann schlicht nichts mehr übrig ist, denke ich.

Ich will mich eh nicht weiter versuchen, mich noch heraus zu winden. Ich stehe zu dem, was ich oben bereits geschrieben habe.
Für Hass, liebe B., bin ich zu faul. Hier wären Erfahrungswerte andernorts einzuholen. :)

Es grüßt dich herzlichst
Deine Wutspezialistin June

Für Fragen über Wirkungen oder mögliche unerwünschte Wirkungen wenden Sie sich bitte an ihre Ärztin oder Apotherkerin

Okay, auch damit werde ich es lernen müssen umzugehen. Dann bist du eben hier, dann stehst du eben da hinten als Beobachter und baust dir weiterhin dein eigenes Bild aus den von mir hier hinterlassenen Fetzen meines Lebens und Erlebens.

Dann erlaube ich es mir aber auch, dich direkt anzusprechen, wenn ich von den letzten Tagen berichte. Großteils schönen Tagen, friedlichen Tagen, Tagen des Daheimseins in familiärer Geborgenheit, die ein so beschützendes Netz um mich gesponnen haben, dass ihm auch das für mich völlig unerwartete Zusammentreffen mit dir nichts anhaben konnte.
Ein Zusammentreffen, das mich zum ersten Mal seit Jahren nicht völlig aus der Bahn warf. - Gut, ich habe deine direkte Nähe bewusst vermieden, aber es machte nichts mit mir, dich dort zu sehen, zusammen mit deiner Frau. Es gab sie trotzdem noch, die Welt rund um mich, was nicht immer selbstverständlich war.

H. hat Angst vor denn Schmetterlingen in meinem Bauch, Angst etwas losgetreten zu haben, für das er Verantwortung trägt, wo er doch selbst sosehr sich irgendwo einfach nur anlehnen möchte.
Es war dumm von mir, ihm das zu sagen, in meinem Denken war mir das so fremd geworden, dass auch andere außer mir sich verantwortlich fühlen könnten für Gefühle, die sie auslösen. Es war dumm und unbedacht.
Es ist rührend zu sehen wie er mich behandelt - wie ein rohes Ei. So liebevoll und fürsorglich und doch spürbar bedacht darauf ja keine weiteren "Dämonen" zu wecken. Sein Agieren ist das Gegenteil dessen, was ich mit dir kannte. "Ja kein Feuer anzünden, das ich nicht kontrollieren kann" scheint sein Motto zu sein, während das deine immer das Interesse am Abfackeln um jeden Preis war.

Ich muss ihm die Angst nehmen, dass hier eine weitere Baustelle lauert. Ich will seine Zärtlichkeit spüren, nicht nur anhand seiner so liebevollen Gesten, sondern an meinem Körper.

Wir beide, wir könnten uns so verdammt gut tun.
Wir beide, wir haben genug zu verdauen.

Viel zu lange hatte ich viel zu wenig Zeit für Bloggerland und es wird wohl auch so bleiben, aber wenn ich dann in den wenigen Momenten, in denen ich mir die Zeit dafür nehme, zum Beispiel dieser vertrauten Fremden wieder begegne, die mich schon seit so vielen Jahren, schon seit einer Zeit ganz wo anders im virtuellen Raum, begleitet, und die plötzlich so viel mehr wieder wie die klingt, die ich so bewundert und geliebt habe für diese Texte, die ich so ohne den geringsten inneren Widerstand absorbierte, als würden sie meiner eigenen Seele entspringen, dann wünsche ich mir die Zeiten der fast endlosen Nächte zurück.

Zeiten, in denen es Zeit genug gab, nicht nur das, das an der Oberfläche sprudelte hier herein zu spucken, sondern in mir nach dem zu suchen, was darunter treibt, und Worte dafür zu finden und den Worten und Stimmungen anderer nachzuspüren. - Und auch den so lange nicht mehr gelesenen FreundInnen zwischendurch lange Mails zu schreiben.

Wo habe ich sie nur verloren, diese Zeit? Viel gearbeitet habe ich doch immer schon, nur wann kam der Punkt, an dem so wenig davon für mich übrig geblieben ist?
Ich frage mich wirklich. Ich weiß tatsächlich nicht, wann sich was so verändert hat.

Ob ich die wohl irgendwann wiederfinde, diese verlorene Zeit? Irgendwo ganz hinten in einer Schublade wie den vor Jahren verschluderten Pass, an den ich mich nicht mal mehr erinnern konnte?

Oder gab es da eine Zeit - und ich habe das nur vergessen - in der mein Tag mehr als 24 Stunden hatte?

Ja, dich meine ich.
Was machst du immer noch hier?
Wie oft habe ich dich schon gebeten, hier nicht mehr zu lesen?
Was denkst du zu finden?

Ja natürlich, ich kann dem entgehen.
Ich könnte nach 3180 Tagen hier die Türen schließen - oder einfach aufhören, hier zu schreiben und mir ein anderes Plätzchen suchen.- Oder es überhaupt lassen, wäre auch kein wirklicher Verlust mehr.

Ich könnte mich auch fragen, warum mich das immer noch so berührt / belastet / irritiert. Ich denke aber ich bin mir dessen durchaus bewusst - più o meno zumindest - der eine oder andere kleine blinde Fleck schleicht sich zwangsläufig in jede Selbsterkenntnis.

Ich behaupte, dass du noch nie hier warst, um mir näher zu kommen, um besser verstehen zu können, was dir fremd ist. Immer schon warst du wie der Fremde, der durch ein Fenster einer ihm fremden Frau sieht, um das zu sehen, was seiner Vorstellung entspricht und alles Andere auszublenden.
Dieses Blog hier war immer schon Quelle für die Steine deiner Mauer - n'est-ce pas?
Du hattest - auch hier - nie Fragen an mich, suchtest nur Bestätigungen deiner Antworten. Meine Zweifel, meine Träume, meine Irrungen und Wirrungen, alle Höhenflüge und Abstürze waren Bestätigung deiner Sicht auf mich oder auszumerzender Makel.

Lange genug habe ich gebraucht endlich zu akzeptieren, dass ich für dich nie das sein werde, was ich immer wollte: Eine Bereicherung deines Lebens, ein Geschenk, das man achtsam behandelt, mit dem man sorgsam umgeht, dem man in den Turbulenzen des Lebens schonmal unachtsam einen Stoß versetzen kann, das man jedoch niemals dann einfach liegen lässt.

Ich weiß nicht mehr wie oft in den letzten acht Jahren ich wenig mehr war als ein Scherbenhaufen. Restauriert hab ich mich immer selbst, unter denen, die mir dabei geholfen haben, warst du nie, das hat dich nie interessiert, erst halbwegs wiederhergestellt traf ich wieder auf dein Interesse.
Ich glaube du kannst nicht einmal erahnen wie viel Energie ich hinein gesteckt habe in den Versuch immer wieder neue Entschuldigungen für dich zu finden. Dagegen sind meine "Aber-Listen", wenn es um andere Männer ging, doch glatt ein Klacks.

Schon klar, ich bin ein großes Mädchen, das waren alles meine Entscheidungen. Dass ich mich darauf eingelassen habe, dass ich mitgespielt habe, das war mein freier Wille. Ich war in all dem nicht Opfer, ich war deine perfekte Komplizin, das weiß ich schon lange. - Mein Kopf war nie das Problem.

And please don't get me wrong: I'm not crying over spilt milk. Obviously this was an experience I had to make. ...

... I came to Casablanca for the waters ...


Ich möchte all die Erfahrungen, die ich mit dir gemacht habe, nie missen. Ich möchte die Gefühle, die ich für dich hatte, nie missen. Ich möchte noch nicht einmal leugnen, dass viele davon auch immer noch hier sind, doch H. hat mich zu dem Punkt gebracht, an dem nicht mehr sie mich kontrollieren, sondern endlich ich sie.

Wenn du mich brauchst: Du weißt, wo du mich findest, du hast meine Nummer, meine Adresse, meine Mailadresse.
Aber ich lasse mich nicht mehr herumstoßen, ich lasse mich nicht mehr klein machen, ich lasse mich nicht mehr sezieren. Und weil ich es nicht mehr zulassen will, dass du in meinem Innersten wühlst will ich auch, dass du mir diesen Platz hier lässt, dass du endlich wirklich hier verschwindest.

Erweise mir den Respekt diesen Wunsch zu akzeptieren.

Und glaube mir, du wirst nichts versäumen. Du würdest auch weiterhin - da bin ich mir sicher - hier nur Bestätigungen finden für das, das deinem Bild von mir entspricht.

In Liebe
June

Warum nur kann dieses wunderbar erhebende Post-perfekter-Sex-Gefühl inkl. Schmetterlinge im Bauch und allem Drum und Dran nicht ewig andauern?
Warum übersteht auch die größte Euphorie die Schikanen des Alltags nur bedingt?

Da hilft jetzt nur eines:
Dieses vor Lebensfreude, Optimismus und Elan sprudelnde Selbst zu demjenigen einer heute mit ähnlichen Attributen gesegneten Freundin zu schleppen, auf dass wir vereint unsere Tränensäcke und hängenden Mundwinkel bejubeln und jeden meuchelmorden, der auf die Idee kommt uns zu erzählen, dass es irgendwo andere gibt, denen es noch schlechter geht als uns.

So long!
June

"Wenn einem das Leben so direkte Geschenke gibt wie am Montag, dann macht das glücklich. Ich danke dir noch einmal dafür."
schreibt er.
Und genau das war es, ein wunderbares Geschenk.

Und glücklich lächelnd verstaue ich meine Sandalen und Sommerklamotten. Ohne Wehmut stelle ich fest, dass die Sonne auf der Terrasse nicht mehr genug Kraft hat, um zu wärmen.

Keine Angst vor dem kommenden Winter.
Nicht dieses Jahr.

"Und was ist mit *ihm*?"
fragt die Freundin - und meint den, der in den letzten acht Jahren so viele Stunden der gemeinsamen Zeit beansprucht hat.

Ja, was ist mit ihm?

Nein, natürlich ist er nicht ausgelöscht. Er steht, so fühlt es sich an, meist ca. einen halben Meter links hinter mir. Aber immer gibt es noch Momente, in denen er näher kommt, meine linke Schulter beinahe berührt, so nah, dass sein Atem meinen Hals streift, mir das Gefühl vermittelt, würde ich mich nur zurück lehnen, würde er mich mit seinen Armen umfassen und halten und die Vorstellung ist immer noch schön.

Da ist nichts ausgelöscht oder weg gemacht. So funktioniere ich nicht. Aber er steht hinter mir, nicht mehr vor mir. Vor mir liegt etwas Neues, mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte. Vor mir liegt etwas Neues, das vielleicht ein Beginn einer gemeinsamen Reise ist, vielleicht auch nur nötig war, mich aus einem selbstgewählten Käfig zu befreien und mich ins Irgendwo entlässt.

Wenn er mir von da links hinten irgendwann an die Schulter tippt und sagt: "Ich brauche dich, kannst du da sein für mich?" werde ich es sein.
Aber ich nehme an ihr kennt diese Vertrauensübung, in der einer sich nach hinten fallen lässt, vertrauend darauf, aufgefangen zu werden vom anderen?
Ich werde mich nicht mehr fallen lassen. - Zu oft bin ich gestürzt. Und zu oft habe ich mich dabei verletzt.

Dieser Bann ist gebrochen.

Auch das
liegt hinter mir.

Und es wurde Zeit dafür, höchste Zeit.

so fühle ich mich derzeit. Versuche alles, ihm aus dem Weg zu gehen. Nicht, weil ich ihn nicht sehen will, sondern weil ich Angst habe, er sieht, was ich ihm nicht zeigen will, wenn er mir in die Augen sieht. Weil nichts sich verändert hat, weil nichts sich verändert haben *darf*, weil wir das gesagt haben, weil *ich* das gesagt habe.
Kein Wort seit diesem Abend, kein gesprochenes und kein geschriebenes, aber eine körperliche Reaktion sobald ich seine Stimme höre und ein kleiner, süßer Adrenalinstoß, wenn er an der Türe zu meinem Zimmer vorbei geht und mich anlächelt.

"Ich bin schüchtern", hat er mir gestanden, an diesem Abend, und ich habe ihn geneckt damit, aber ich glaube ihm das sofort, ich kenne das nur zu gut, diese verwirrte Unsicherheit einem Menschen gegenüber, für den man sich angreifbar macht, der etwas in einem selbst berührt ohne es zu wissen.

Und es war diese unsere Schüchternheit, gegen die wir angeredet haben an diesem Abend, bis wir sie ansprachen, bis *er* sie ansprach und die flüchtigen, "unabsichtlichen" Berührungen (wir saßen nebeneinander auf meiner Couch) immer mehr von ihrer Flüchtigkeit verloren, bis er mich an sich zog.

Mein Kopf spielte sein übliches Spiel, die ganze Zeit über, ratterte im Hinterkopf das immerselbe altbekannte Programm: "Was ist aber, wenn es nicht gut ist? Was ist, wenn er mehr will? Was ist, wenn ich mich jetzt darauf einlasse, ihn dann aber abweisen muss, weil es doch (wieder) nicht das ist, was ich will? Was ist, wenn ich ihn dann kränke? Was ist, wenn er meine Abweisung nicht erträgt? Was ist ..."

Mein Kopf spielte sein übliches Spiel, bis er mich küsste. Bis er mich ganz genau so küsste, wie ich geküsst werden will. Nicht zu zaghaft, nicht zu fordernd, nicht zu nass, nicht zu hart, nicht zu trocken, nicht zu schmallippig. Ein warmer, intensiver, sanfter Kuss, der genau im richtigen Moment endete.
Da hatte er dann Pause, mein Kopf. Ab da war alles nur noch berühren, riechen, schmecken, diese verdammten Kleider los werden und einander Haut an Haut spüren.
Da war seine so unverhohlen gezeigte Freude an meinem Körper und meine Gier danach, den seinen zu spüren. Er kam nach wenigen Minuten. "Wie ein Teenager", meinte er und wir lachten, lachten in einer Umarmung sein kleines peinliches Gefühl einfach weg, das so unwichtig war, weil es so schön war, ihn zu spüren, weil es mir so viel wichtiger war endlich einen Mann wieder richtig genießen zu können, mich ihm öffnen zu können, als x Orgasmen.