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opmov25

und dann wünsche ich sosehr, du würdest mein gesicht in beide hände nehmen und mit den daumen die tränen von meinen augen wischen, mich in den arm nehmen und küssen und mir leise ins ohr flüstern "alles ist gut". so, dass ich es glauben könnte. einmal noch glauben könnte, wie damals als kind "alles wird gut". doch vielleicht habe ich es schon damals nicht geglaubt.

erinnerung ist trügerisch und riecht zu oft nach keksen im backrohr und tannenzweigen und knisterndem holz im ofen, wenn es dunkel wird und kalt. fühlt sich an wie deine beine, die eisfüße wärmen, vermischt zu leicht fiktion und wirklichkeit, als könnte sie das gewicht nicht mehr tragen, das gewicht all der nie erfüllten träume.

die nebel da draussen, als würden sie sich einschleichen, die kontouren verwischen zwischen traum und wirklichkeit, ratio und emotion. "nimm deine tabletten, kind, alles wird gut".
doch das kind schüttelt den kopf. nein, nicht wegmachen, nichts mehr wegmachen. gar nichts. vergeht von selber. viel zu schnell. alles. kehrt dann nur nachts manchmal wieder, schleicht sich in mein bett, wenn ich schlafe, in meinen kopf. stimmen, bilder. vergangenes, das niemals wirklich vergangen ist und doch niemals wieder da. nichts ist jemals wieder dasselbe und irgendwann auch niemals wieder neu.

oktober. ein kalter, dunkler, windiger abend. neumond.
halt mich, wenn du kannst.

wie ein "so schön, dass du da bist". ein blick, ein lächeln, knie an knie.

zu müde um zu tragen, auch nach-zu-tragen. zu müde, zu hungrig. alles nur ein spiel. die regeln bestimmen wir, so wie die länge und breite von stolz, eitelkeit, schuld und sühne.

lippen, zungen, haut.

alles andere muss warten, kann warten, hat zeit.

an einem nagel, einem krummen, rostigen. hängen geblieben an diesem nagel, da, auf der anderen seite, kurz bevor die tür ins schloss fiel. nur ein faden, der festhängt. starr und eigensinnig, dennoch nur ein faden.

einer, der reissen wird.

gerissen ist.

dem sie nachlaufen, die maschen, an den sie sich klammern, eine nach der anderen, reihe für reihe.

am ende nackt.
draussen vor der tür.

nackt aber frei.

auf der fensterbank der kindheit sitzend ist der blick noch immer beinahe der gleiche wie vor 20 jahren und mehr.

wenn der herbst schon im oktober mit seinen viel zu frühen novembernebeln die erinnerung an den sommer langsam verwischt, den sommer, der dieses jahr schon im juni endete mit der letzten zeile, die andernorts nie geschrieben wurde

junimond

dann ist in manchen nächten die sehnsucht beinahe die sehnsucht von damals und das stöbern in alten schachteln, alten zeilen, alten platten lässt geschichte lebendig werden.

gespenster von gestern.
einfach rot.

nicht dir,
unserer lust.
nicht immer,
heute.
nicht um jeden preis.

I thought you knew ...

gift, reines gift.
es ist nicht nötig, die lüge zu sehen, dazu riecht sie zu streng.

vertrauen, weißt du, ist ein geschenk dazu gemacht, missbraucht zu werden, immer und immer wieder. das weiß es auch, das vertrauen. weswegen es sich ganz klein macht - anfangs - und so langsam wächst. wenn es einmal groß und stark ist, steckt es vieles weg. es kennt seine bestimmung.
und es ist genügsam, das vertrauen. das auch, dann, wenn es gute gene hat. zäh und genügsam, so ist es, das vertrauen, MEIN vertrauen.
zäh und genügsam. nicht blind. und selbst wenn es das wäre ...

es ist nicht nötig, die lüge zu sehen, dazu riecht sie zu streng.

"könnte es nicht wirklich sein, dass du dich irrst? dass alles nur ein zufall ist?"

sag es mir? sag du's mir. wozu halte ich mir einen? einen engel auf dem küchentisch? manchmal scheint mir, du wärst nur hier um federn zu lassen. und weisser waren sie auch schon. sieh mal die da - gelbstichig.

"würde es eine rolle spielen?"

langsam schüttle ich den kopf und werfe ihr eine illusion mehr in den rachen. harmoniert ausgezeichnet mit dem wein. zudem sind illusionen leichter verdaulich mit einem schluck als draufgabe.

plötzlich hält sie inne. "sieh mal - sieh mal da an der wand! unglaublich, grinst sie die ist zäh. fast so zäh wie ...

*psst* lege ich den finger an die lippen und drehe den verstärker lauter.

"Life is bigger
It's bigger than you
And you are not me
The lengths that I will go to
The distance in your eyes
Oh no I've said too much
(...)"

"nightswimming", summt sie, während ich die flasche cabernet öffne und nicht umhin komme mitzusingen. ich weiß, ich singe grauenhaft, doch engel sind kummer gewohnt.

You, I thought I knew you.
You I cannot judge.
You, I thought you knew me,
this one laughing quietly underneath my breath.
Nightswimming. ... *

ist an einem herbsttag noch einmal sonnenstrahlen zu tanken und heimkommen genau dann, wenn der regen einsetzt. es sich gemütlich machen auf der couch, wenn er gegen die scheiben klopft mit musik und einer tasse tee, sich auf die wanne freuen und die ganzen rituale, die damit verbunden sind.

und dem strudel wieder entkommen sein. die gedanken wieder fließen lassen können. alles einmal mehr gut sein lassen. gelassen erstaunt über die untiefen, abgünde die so unvermittelt in solcher heftigkeit immer wieder aufbrechen können und es eigentlich gut finden, dass vergangenes so spürbar niemals wirklich vergangen ist.

im gehen durch den park, im dem-regen-lauschen den gespenstern der vergangenheit wieder deren kehrseite gegenüberstellen, bis die empfindungen einander überlagern. die dinge nicht gewaltsam in die waage bringen wollen, was nie funktioniert, sondern spüren, wie sie sich wieder einpendeln.

einmal mehr staunen über die traumwandlerische sicherheit, mit der du schlecht verheilte narben zum aufbrechen bringst.

netzfrauen lesen und lächeln.

und eine mail nicht beantworten. es müde sein einmal mehr zu vermitteln, dass das hier kein "blog" ist und kaum jemals ein "tagebuch", schon gar nicht wirklichkeit, aber wahrheit.

"immer, wenn ich denke", schreibt er, "wenn ich denke, wir hätten eine basis gefunden, etwas, das schwankt von zeit zu zeit, und dennoch trägt, passiert es, und ich breche ein."
"unberechenbar dünnhäutig" nennt er mich und versteht nicht. schüttelt den kopf, dreht sich um und geht.

und kann nicht sehen, dass das eine ohne das andere nicht geht. ich habe sie draussen gelassen, draussen vor der tür, meine dicke alltagshaut, habe all das abgelegt, das schützt, langsam, schicht für schicht. jede maske, jede mimikry, jeden schleier, jedes schild. war kaum jemals zuvor so nackt, so verletzlich, so frei.

und das ist der preis.
achtung, dünnes eis!

und dann denke ich an henry. und bin so voll von neid. ach ich wünschte, ich könnte das: selbstbestätigung daraus ziehen, dass jemand das will: seinen körper mit mir teilen, seinen körper und sein bett.

ich wünschte sosehr ich könnte das: mich nur ein bisschen besser fühlen dadurch, dass xy bereit wäre/ist, sich mir hinzugeben.
ach könnte ich das doch nur, selbstbestätigung gewinnen aus steifen schwänzen.

vielleicht, henry, ist meine abscheu tatsächlich nichts anderes als neid. vielleicht wäre er, der neid, greifbarer, wenn ich mich nicht glauben würde wiederzufinden in jeder dieser frauen, als die, die ich war. für wie viele war ich nichts als egopolitur für ein verletztes herz? und wusste es nicht?
versteh mich nicht falsch, nicht nur *ihr* seid so. auch ich war es. sie unterscheiden sich nur von euren seelenpflastern - die unseren - zumindest über weite strecken. die regeln sind es, die uns unterscheiden, so weit mehr als die herzen, auch wenn wir sie noch sosehr internalisiert haben, sosehr, dass wir an sie glauben wie an das blau des himmels.

und wenn wir sie sosehr brauchen, eure schönen worte und gesten wie ihr den akt, was heisst das schon? immer noch seid ihr die sieger, wenn wir uns euch hingeben, und wir die rillen im bettpfosten: I und I und I und nach dem vierten der eine quer.
immer noch seid ihr es, die sich rühmen eroberer zu sein. "gute titten, ein guter fick". ohne umwege, wenn möglich. wow, ich habe *sie* flachgelegt. mann bin ich gut!!!
wir sind erobertes land. gepflügt, gerodet. als solches bleiben wir zurück, egal wie wir es uns drehen. wir sind "schlampen". und können so tun, als wären wir stolz darauf. können es sogar *wirklich* glauben, solange wir unter uns sind. und dann hören wir euch. und waren eine muschi und titten und beine, ein geiler arsch und blasmund und wissen, dass wir die verliererInnen sind - immer. nicht aus uns heraus, schlicht per definition.
einen schwanz haben ist keine "leistung", der fällt einer ins bett. nach dem dritten date noch ein viertes haben, auch ohne einen kuss, DAS macht uns "gut".
und glaub mir, auch wir wollen uns euer gequatsche oft nicht anhören. auch wir finden euch langweilig, präpotent, arrogant, ... wie viel leichter wäre es, selbstbewusstsein daraus zu schöpfen, dass einer einen fickt.
befriedigung, egopolitur daraus ziehen - oder (welch unverschämter luxus) gar beides zugleich.

oh henry wenn du wüsstest, wie verflucht privilegiert ihr doch seid.
denk daran, wenn du das nächste mal protzt mit deinen eroberungen: vielleicht wollte *sie* das gleiche, hat auch das gleiche bekommen. es ist nur einfach nicht dasselbe.