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absolute schwachstellen

"Das weib gibt zu, was Du bestreitest. Daß ihr passiv-submissiv
sein wollt, daß Männer Mittel zum Zweck sind: es euch besorgen",

schrieb er.

"da ist noch etwas anderes", antwortete ich, "erstmal nur als gefühl, als patchwork aus mehreren eindrücken:

ZEIT: "(...) Wir leben nur ein Schein-Leben und machen Schein-Erfahrungen, die uns nicht berühren. (...)"

ich denke das ist es, auf das sie sich zu oft zurückzieht und auf das auch ich mich zu oft zurückgezogen habe.

eine schein-erfahrung ist für mich dieses scheinbar intime, das jede intimität von vorne herein ausschließt.
ein text, der das so besonders stark zeigt ist dieser:

"Doch dann zerstörte er die Situation. Er wollte mir in die Augen sehen. Ich ahnte schon warum. Auch er merkte, wie intim sich unsere Situation entwickelt hatte, wie sehr ich mich ihm nun hingab. Doch als er mir die Augenbinde abnahm, war es vorbei. Ich war zwar immer noch gefesselt, aber ich konnte mich nicht mehr abstrakt irgend jemand hingeben, sondern plötzlich wurde er konkret."

die wehrlos-erfahrung als schein-erfahrung. nur da sich selbst die erlaubnis geben, eine grenze zu übertreten, nur einer fantasierten gestalt gegenüber, die körper geworden ist, jedoch niemals einem realen "du", das wäre nämlich die "echte" erfahrung, da wird es plötzlich so klar erkennbar kein reines fantasiegebilde mehr, sondern echtes erlebtes, geht zu nah, zu weit.

das erinnert mich an ganz andere, so vielfältige situationen, in denen ich meinen körper, sex, benutzte, um die intimität zu durchbrechen. dieser arbeitende unterleib kann manchmal die perfekte waffe sein gegen ein zuviel des herzöffnens.

mittel zum zweck sind wir füreinander in gewisser weise immer, in diesem geschlechterk(r)ampf, allein im zweck, den wir verfolgen, unterscheiden wir uns mal stärker, mal weniger stark.
wir müssen einander auch dazu machen, um uns selbst zu schützen.

der wunsch aufzugehen in diesem "du" wäre sonst unerträglich. unerträglicher noch als die gefahr einem "du" zu nahe zu kommen, mit dem man letztlich keine echte nähe will. einem "du", das eigentlich gar keines sein darf, sondern immer nur als "er" konzipiert war und das auch bleiben soll."

antwortete ich mit all der wärme im herzen, die dieses "du" in meinen armen hinterlies. eine offene wunde, aufgerissen durch einen unerträglichen wunsch.

weil nicht sein kann was nicht sein darf.

ich hasse dich, wie ich dich liebe.

innig
leidenschaftlich
launisch
trotzig
verzweifelt
kompromisslos

aus ganzem herzen.

falle haltlos, ungebremst vom einen ins andere.
und komme nicht los.

komm einfach nicht los von dir.

waiting2

würde ich heute meine seele dafür geben
meinen kopf an deine schulter zu legen
deine hand in meinem nacken zu spüren.

die schlampe hat feierabend,
das miststück ist ausgegangen.

küss mich,
halt mich,
just call me baby.

da.
bei mir.
sie mit ihren fragen.

ja. nie erkannt. er - mich. klar, so klar. so bitter. so schmerzhaft. so wahr.
und doch würde ich, wenn ich könnte ... . weil ich nichts mehr will. eigentlich. als "erkannt" werden. niemals und nichts mehr - wenn ich liebe.

zu hoher anspruch?

was bleibt ist traurigkeit. tod-tödliche traurigkeit.
das sollte nicht bleiben. nicht am ende. und muss scheint's doch.
welche verschwendung von zeit. lebenszeit. welch verschwendung des kostbarsten, das wir zu geben haben.

könntest du nur.
und ich weiß, du könntest, wenn ich dich nehme - an der hand.
verzeihst du mir, dass ich die kraft nicht mehr habe?.
nicht mal mehr die, dir zu verzeihen, dass du es nicht bist - stärker als ich,

und nichts hätte ich mir jemals mehr gewünscht als das.

ich werde warten - auf sein heim-kommen. auf das heimkommen des menschen, der immer verstehst, nur nicht immer will.
und er wird da sein. und mich nehmen, wie er versteht, dass ich genommen werden muss, wie niemand sonst.

so much more I wanted. forget about that. just gimme a littele respect. the last thing I ask for, nothing more.

could you?
would you?

the only thing I ask for - in the end.

"Eine solche erotische Intensität", schreibt er, "entsteht nur in so purifizierten, aufs Essentielle dekonstruierten Begegnungen. Menge auch nur zwei, drei Alltage dazu und sie wird schwächer. Du weisst das, Du warst oft genug dabei. Erinnerst Du dich? Liebemachen und Liebeleben sind zwei gänzlich getrennte, weit auseinanderliegende Zustände. Wie Du dich erinnern kannst, weiss man das nicht gleich, aber relativ früh im Leben. Bloß handelt man nicht danach."
"Der vielleicht einzige Vorteil, die einzige Bereicherung des Erreichens eines gewissen Lebensalters", schreibt er, "ist der", schreibt er, "Man schafft es danach zu handeln. Man widersteht dem Drang aus allen Teilen des Lebens eine einzige große Suppe machen zu wollen, einen Eintopf, einen Eintöntopf."

"ja", lächle ich, "ja. der vorteil am älterwerden. demontage von illusionen. ihn verlieren, den glauben daran, dass es funktionieren könnte, das mit dem topf und dem deckel.
und den glauben daran, dass man ewig kochen könnte daran, gemeinsam. immer neues entdecken und beschnuppern, sich gegenseitig zum (vor)kosten reichen, ob es denn reinpasst, in den eintopf -den gemeinsamen, den, so ganz ohne tön."

und dann wünsche ich sosehr, du würdest mein gesicht in beide hände nehmen und mit den daumen die tränen von meinen augen wischen, mich in den arm nehmen und küssen und mir leise ins ohr flüstern "alles ist gut". so, dass ich es glauben könnte. einmal noch glauben könnte, wie damals als kind "alles wird gut". doch vielleicht habe ich es schon damals nicht geglaubt.

erinnerung ist trügerisch und riecht zu oft nach keksen im backrohr und tannenzweigen und knisterndem holz im ofen, wenn es dunkel wird und kalt. fühlt sich an wie deine beine, die eisfüße wärmen, vermischt zu leicht fiktion und wirklichkeit, als könnte sie das gewicht nicht mehr tragen, das gewicht all der nie erfüllten träume.

die nebel da draussen, als würden sie sich einschleichen, die kontouren verwischen zwischen traum und wirklichkeit, ratio und emotion. "nimm deine tabletten, kind, alles wird gut".
doch das kind schüttelt den kopf. nein, nicht wegmachen, nichts mehr wegmachen. gar nichts. vergeht von selber. viel zu schnell. alles. kehrt dann nur nachts manchmal wieder, schleicht sich in mein bett, wenn ich schlafe, in meinen kopf. stimmen, bilder. vergangenes, das niemals wirklich vergangen ist und doch niemals wieder da. nichts ist jemals wieder dasselbe und irgendwann auch niemals wieder neu.

oktober. ein kalter, dunkler, windiger abend. neumond.
halt mich, wenn du kannst.

auf der fensterbank der kindheit sitzend ist der blick noch immer beinahe der gleiche wie vor 20 jahren und mehr.

wenn der herbst schon im oktober mit seinen viel zu frühen novembernebeln die erinnerung an den sommer langsam verwischt, den sommer, der dieses jahr schon im juni endete mit der letzten zeile, die andernorts nie geschrieben wurde

junimond

dann ist in manchen nächten die sehnsucht beinahe die sehnsucht von damals und das stöbern in alten schachteln, alten zeilen, alten platten lässt geschichte lebendig werden.

gespenster von gestern.
einfach rot.

nicht dir,
unserer lust.
nicht immer,
heute.
nicht um jeden preis.

I thought you knew ...

und dann denke ich an henry. und bin so voll von neid. ach ich wünschte, ich könnte das: selbstbestätigung daraus ziehen, dass jemand das will: seinen körper mit mir teilen, seinen körper und sein bett.

ich wünschte sosehr ich könnte das: mich nur ein bisschen besser fühlen dadurch, dass xy bereit wäre/ist, sich mir hinzugeben.
ach könnte ich das doch nur, selbstbestätigung gewinnen aus steifen schwänzen.

vielleicht, henry, ist meine abscheu tatsächlich nichts anderes als neid. vielleicht wäre er, der neid, greifbarer, wenn ich mich nicht glauben würde wiederzufinden in jeder dieser frauen, als die, die ich war. für wie viele war ich nichts als egopolitur für ein verletztes herz? und wusste es nicht?
versteh mich nicht falsch, nicht nur *ihr* seid so. auch ich war es. sie unterscheiden sich nur von euren seelenpflastern - die unseren - zumindest über weite strecken. die regeln sind es, die uns unterscheiden, so weit mehr als die herzen, auch wenn wir sie noch sosehr internalisiert haben, sosehr, dass wir an sie glauben wie an das blau des himmels.

und wenn wir sie sosehr brauchen, eure schönen worte und gesten wie ihr den akt, was heisst das schon? immer noch seid ihr die sieger, wenn wir uns euch hingeben, und wir die rillen im bettpfosten: I und I und I und nach dem vierten der eine quer.
immer noch seid ihr es, die sich rühmen eroberer zu sein. "gute titten, ein guter fick". ohne umwege, wenn möglich. wow, ich habe *sie* flachgelegt. mann bin ich gut!!!
wir sind erobertes land. gepflügt, gerodet. als solches bleiben wir zurück, egal wie wir es uns drehen. wir sind "schlampen". und können so tun, als wären wir stolz darauf. können es sogar *wirklich* glauben, solange wir unter uns sind. und dann hören wir euch. und waren eine muschi und titten und beine, ein geiler arsch und blasmund und wissen, dass wir die verliererInnen sind - immer. nicht aus uns heraus, schlicht per definition.
einen schwanz haben ist keine "leistung", der fällt einer ins bett. nach dem dritten date noch ein viertes haben, auch ohne einen kuss, DAS macht uns "gut".
und glaub mir, auch wir wollen uns euer gequatsche oft nicht anhören. auch wir finden euch langweilig, präpotent, arrogant, ... wie viel leichter wäre es, selbstbewusstsein daraus zu schöpfen, dass einer einen fickt.
befriedigung, egopolitur daraus ziehen - oder (welch unverschämter luxus) gar beides zugleich.

oh henry wenn du wüsstest, wie verflucht privilegiert ihr doch seid.
denk daran, wenn du das nächste mal protzt mit deinen eroberungen: vielleicht wollte *sie* das gleiche, hat auch das gleiche bekommen. es ist nur einfach nicht dasselbe.